Startup Profil
Cyreen

Stellt euch kurz vor

Erklärt uns in 3 Sätzen, wer ihr seid

Cyreen ist ein Frankfurter Scaleup, das In-Store Retail Media messbar macht. Mit unserer C.A.P.-Technologie (Connecting Ad Impressions with Purchase) verknüpfen wir anonym den Werbekontakt am Screen im Markt mit dem tatsächlichen Kauf an der Kasse. So sehen Handel und Marken zum ersten Mal, welche Kampagne welchen Umsatz wirklich auslöst. Gegründet haben wir Cyreen im März 2017, damals noch während unseres Masterstudiums an der Rotterdam School of Management.

Wie kam die Idee zustande und welche Herausforderungen galt es zu meistern?

Online-Werbung ist längst datengetrieben und messbar, im stationären Handel fehlte diese Präzision komplett. Genau diese Lücke wollten wir schliessen. Die ursprüngliche Idee hat Herbert Boos aus seiner Zeit im RFID-Umfeld mitgebracht, Benedict Boos, Davide Scheidegger und Ciril Hofmann sind über das gemeinsame Studium in Rotterdam dazugekommen. In der Anfangszeit sind wir wöchentlich von Rotterdam nach Frankfurt gefahren, um mit Handelspartnern und Vermarktern zu sprechen.

Die grösste Herausforderung: Offline gibt es kein Cookie und kein Pixel. Wir mussten eine eigene Hardware- und Datenerfassungsinfrastruktur aufbauen, von RFID-Tags am Einkaufswagen bis zu den Screens. Dazu kamen hohe Datenschutzanforderungen im physischen Raum und sehr unterschiedliche IT-Landschaften im Handel. Unsere wichtigste Lernkurve war, dass eine starre Lösung daran scheitert. Anfangs konnten wir nur eigene Screens steuern, heute ist C.A.P. offen und agnostisch und lässt sich an bestehende Systeme, CMS und Tracking-Lösungen anbinden.

Wie funktioniert Cyreen und inwiefern unterstützt KI dieses Projekt?

Einkaufswagen und Körbe sind mit RFID-Tags ausgestattet. Erkennt ein intelligenter Screen einen Wagen im Blick- und Soundkorridor, startet der Spot und der Kontakt wird anonym erfasst. An der Kasse führen wir diesen Kontakt mit dem anonymisierten Kassenbon zusammen. Damit haben wir keine Hochrechnung, sondern die einzelne Customer Journey.

KI kommt dort ins Spiel, wo aus diesen Datenströmen Erkenntnisse werden. Unsere Playout AI Engine versteht die Einkaufssituation in Echtzeit und entscheidet, welcher Spot zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort läuft. Grundlage ist dabei immer die echte, gemessene Conversion und keine Schätzung: Wir wissen, ob ein Werbekontakt tatsächlich zum Kauf geführt hat, und das System lernt daraus. So entstehen eine belastbare Inkrementalitätsmessung, Mustererkennung über Warengruppen hinweg und eine optimierte Ausspielung. Entwickelt und wissenschaftlich validiert haben wir das unter anderem in einem Forschungsprojekt mit der EBS University, gefördert durch die LOEWE-Initiative des Landes Hessen.

Wer steckt hinter Cyreen? Stellt euer Team kurz vor

Die Geschäftsführung bilden Benedict Boos, Davide Scheidegger und Ciril Hofmann. Herbert Boos ist das älteste Gründungsmitglied und hat die ursprüngliche Idee eingebracht. Die technologische Entwicklung verantwortet Werner Schubert, das Handelswissen fliesst über Kirsten Kiel ein. Dazu kommt ein Team aus Data Science, Software-Entwicklung und Marketing sowie ein Advisory Board mit Experten aus Handel, Media, KI und Wissenschaft, darunter Professor Dennis Herhausen, der zu unserer Wirkungsforschung publiziert hat.

Welche Vorteile bietet eure Technologie für Kund:innen und Händler:innen?

Wir adressieren zwei Seiten gleichzeitig. Für den Handel entsteht eine neue, margenstarke Einnahmequelle über Retail Media, dazu wertvolle First-Party-Daten und Transparenz über das Verhalten auf der eigenen Fläche. Für Marken lösen wir das Problem, dass In-Store-Kampagnen bisher kaum belastbar bewertet werden konnten.

Entscheidend ist die Methodik: Wir vergleichen Shopper mit und ohne Werbekontakt im selben Markt zur selben Zeit. Externe Kontrollmärkte werden damit unnötig und die Ergebnisse deutlich belastbarer. Und wir sehen nicht nur, ob Werbung wirkt, sondern wodurch. In unseren Case Studies zeigt sich zum Beispiel, dass Ton, Frequenz, Tageszeit oder Wetter den gemessenen Effekt in der Analysegruppe deutlich verändern, also bei den Shoppern, die den Spot tatsächlich gesehen haben.

Wie verändert sich mein Einkaufserlebnis durch eure Lösung?

Du musst nichts installieren, nichts scannen und keine Daten preisgeben. Das System arbeitet zu 100 Prozent anonym und DSGVO-konform. Was sich ändert, ist die Relevanz: Ein Spot läuft dann, wenn du tatsächlich davorstehst, statt in einer Endlosschleife ins Leere. Weil wir messen, welche Inhalte funktionieren, wird der Content über die Zeit besser und weniger beliebig. Im Idealfall bekommst du Inspiration genau an der Stelle, an der die Kaufentscheidung ohnehin fällt.

Was würdet ihr anderen Gründer:innen raten, die im Bereich Einzelhandel oder Technologie starten wollen?

Lernt den Markt so schnell wie möglich wirklich kennen. Wer sind die relevanten Player, welche Interessen haben sie, wie sind sie vernetzt? Geht auf Branchenevents und sprecht dort offen mit Leuten. Das bringt mehr als jede Recherche am Schreibtisch.

Sucht Experten, die den Markt seit Jahren kennen. Sie geben euch Wissen und Kredibilität, wenn ihr bei etablierten Playern an die Tür klopft.

Erwartet im Handelsumfeld keine schnellen Entwicklungen. Entscheidungswege sind lang, man braucht Geduld und muss dranbleiben.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Wo könnte das Projekt in fünf Jahren stehen?

Unser Ziel ist, dass messbares In-Store Retail Media Standard wird und nicht Ausnahme. Mit RTG Media entsteht bis April 2026 Deutschlands erstes messbares, händlerübergreifendes Netzwerk mit über 800 Screens in rund 185 Märkten, und über 100.000 Einkaufswagen allein in Deutschland sind bereits intelligent gemacht. In fünf Jahren sehen wir uns beim Connected Store: die Verkaufsfläche insgesamt vernetzt und messbar, mit intelligenten Einkaufswagen, Handscannern und Loyalty-Daten sowie einem Mix aus Tracking-Technologien von DSGVO-konformen Kameras über Sensoren bis RFID.

Wie begegnet ihr euren größten Kritiker?

Die häufigste Kritik betrifft den Datenschutz. Dort argumentieren wir nicht, sondern legen offen: Unser System arbeitet ausschliesslich anonymisiert, Datenschutz ist von Beginn an Teil der Technologie und kein nachträgliches Add-on. Die für C.A.P. entwickelte Referenzierungsmethodik und das Daten- und Verbraucherschutzkonzept wurden 2021 von der EU-Kommission ausgezeichnet.

Der zweite Vorwurf lautet, In-Store-Werbung sei nur ein weiterer Screen ohne echten Effekt. Dem begegnen wir mit Zahlen statt Behauptungen. In-Store Retail Media ist für uns kein kurzfristiger Trend, sondern ein empirisch validierter Kanal: Über sechs Jahre Forschung, 237 realisierte Kampagnen und rund 30 Millionen ausgewertete Customer Journeys stecken in der Technologie, eine unabhängig begleitete Studie zeigt im Schnitt 8,1 Prozent höhere Kaufwahrscheinlichkeit. Die Kritik an fehlender Messbarkeit teilen wir im Übrigen. Genau deshalb gibt es Cyreen.

AI Startup Rising unterstützte unsere Reise durch Mentoring, Workshops und den Austausch mit erfahrenen Gründerinnen und Gründern, wodurch wir wertvolle fachliche und strategische Impulse für die Weiterentwicklung unseres Projekts erhalten haben.

Benedict Boos, Co-founder Cyreen, Accelerator Rising 2023